Sandkastenralley (Paris-Darkar)
1
Er gab Gas. Auf grader Strecke war es einfacher, in den Kurven musste man höllisch aufpassen. Überall Sand und Steinchen, sehr rutschig. Am Rand standen sie und riefen den Fahrern zu. Manchmal liefen plötzlich kleinere Kinder direkt vor die messerscharfen Reifen, das war oft knapp -hui- ging aber doch immer gut aus.
2
Sie waren bestimmt seit mehreren Stunden unterwegs, er hatte keine Ahnung, wie lang genau. Er war nur konzentriert auf den Weg und konnte den Lenker nicht los lassen, um auf die Uhr zu sehen. Bei dieser gefährlichen Wegstrecke hätte das bedeuten können, die Beherrschung über das Gefährt zu verlieren.
Die Bäume und Büsche am Weg sahen irgendwie immer gleich aus, ebenso die Häuser. Die Landschaft verschwamm vor seinen Augen und begann zu flimmern. Seine Brille war zugestaubt und er musste immer und immer wieder den vom Vordermann aufgewirbelten Sand ausspucken. Zwei Konkurrenten hatte er schon überrundet.
Er schaute auf das Tacho: Zählerstand 2.9 bei einer Geschwindigkeit von 13km/h auf grader Strecke. Er fuhr sich in einen Geschwindigkeitsrausch! Die Kurven kosteten viel Zeit und das ständige Tempo machen und Abbremsen war sehr anstrengend. Die Konkurrenz fluchte. Er fuhr wie ein Berserker und er schwitzte, aber das war nicht wichtig. Die Mittagssonne brannte sowieso wie das Fegefeuer auf der Haut. Fegefeuer -ha- Wegefeuer wäre ein passender Begriff für diese Qualen, die er litt. Ob Susanne ihn dafür toll fände? Ach, wenn sie es nur wüsste, dass er diese Strapazen auf sich nahm. Ihn dürstete nach ihren blonden Haaren und nach Wasser, doch beides war nicht zu haben. „Durchhalten!“ hieß die Devise. Zählerstand 5.3 -Schlappmachen war nicht drin, schließlich hing daran sehr viel, zuviel. Das hieße sonst das Gesicht verlieren. Respekt und Ehre, und damit das Ansehen als Mann, wurden letztendlich nur dem Sieger zuteil. Das bedeutete eventuell auch, dass Anja und Babsi, die beiden Boxenluder, ihn als das, was er war endlich mal wahrnahmen -und ihm, dem Helden von Holthausen zujubelten.
3
Die Zuschauer verschwanden nach und nach, und mit ihnen schieden, einer nach dem anderen, auch die Konkurrenten aus. Nils war sowieso ein Weichei, er wollte lieber Fernsehen; Volker hatte ein technisch völlig ungeeignetes Fahrzeug, mit dem er irgendwann am Wegesrand stand, und Manfred besaß zwar ein cooles Gefährt, aber überhaupt kein Durchhaltevermögen. Er gab auf, ihm taten wohl die Eier weh. Vielleicht lag’s auch daran, dass seine Mutter ihn beim Zählerstand 6.3 zum Essen rief.
4
Bei einbrechender Dämmerung stand Nils’ Klapprad immer noch an den Baum gelehnt. Volkers Go-Kart hing mit einem Vollgummireifen schief auf einem Stein und Mannis Bonanzarad mit dem langen Bananensattel, stand orange leuchtend in der Abendsonne neben dem Spielplatzzaun. Der Fuchsschwanz (Anm.: nicht die Säge) wehte im lauen Sommerwind. Einige Jahre später baumelte das Ding an der Antenne seines tiefer gelegten und getunten Opel Manta.
5
Albano war letzten Endes allein, doch er fuhr weiter.
Dann, endlich, nach weiteren harten Stunden: Zählerstand 10.0!!! Er stoppte und stieg ab, seine Beine zitterten. Erschöpft sank er auf der angrenzenden Wiese nieder .
Er war neun Jahre alt, sein neues Fahrrad hatte eine 10-Gangschaltung und ein Tachometer. Er war der Gewinner der Sandkastenralley unter erschwerten Bedingungen:
10 KM um den 5 x 9m großen Sandkasten des Spielplatzes -wer aufgibt ist doof für immer und ewig.
Was ist dagegen schon Montreal oder gar Paris-Darkar?
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© 2006 albanoundrominapower.twoday.net
Er gab Gas. Auf grader Strecke war es einfacher, in den Kurven musste man höllisch aufpassen. Überall Sand und Steinchen, sehr rutschig. Am Rand standen sie und riefen den Fahrern zu. Manchmal liefen plötzlich kleinere Kinder direkt vor die messerscharfen Reifen, das war oft knapp -hui- ging aber doch immer gut aus.
2
Sie waren bestimmt seit mehreren Stunden unterwegs, er hatte keine Ahnung, wie lang genau. Er war nur konzentriert auf den Weg und konnte den Lenker nicht los lassen, um auf die Uhr zu sehen. Bei dieser gefährlichen Wegstrecke hätte das bedeuten können, die Beherrschung über das Gefährt zu verlieren.
Die Bäume und Büsche am Weg sahen irgendwie immer gleich aus, ebenso die Häuser. Die Landschaft verschwamm vor seinen Augen und begann zu flimmern. Seine Brille war zugestaubt und er musste immer und immer wieder den vom Vordermann aufgewirbelten Sand ausspucken. Zwei Konkurrenten hatte er schon überrundet.
Er schaute auf das Tacho: Zählerstand 2.9 bei einer Geschwindigkeit von 13km/h auf grader Strecke. Er fuhr sich in einen Geschwindigkeitsrausch! Die Kurven kosteten viel Zeit und das ständige Tempo machen und Abbremsen war sehr anstrengend. Die Konkurrenz fluchte. Er fuhr wie ein Berserker und er schwitzte, aber das war nicht wichtig. Die Mittagssonne brannte sowieso wie das Fegefeuer auf der Haut. Fegefeuer -ha- Wegefeuer wäre ein passender Begriff für diese Qualen, die er litt. Ob Susanne ihn dafür toll fände? Ach, wenn sie es nur wüsste, dass er diese Strapazen auf sich nahm. Ihn dürstete nach ihren blonden Haaren und nach Wasser, doch beides war nicht zu haben. „Durchhalten!“ hieß die Devise. Zählerstand 5.3 -Schlappmachen war nicht drin, schließlich hing daran sehr viel, zuviel. Das hieße sonst das Gesicht verlieren. Respekt und Ehre, und damit das Ansehen als Mann, wurden letztendlich nur dem Sieger zuteil. Das bedeutete eventuell auch, dass Anja und Babsi, die beiden Boxenluder, ihn als das, was er war endlich mal wahrnahmen -und ihm, dem Helden von Holthausen zujubelten.
3
Die Zuschauer verschwanden nach und nach, und mit ihnen schieden, einer nach dem anderen, auch die Konkurrenten aus. Nils war sowieso ein Weichei, er wollte lieber Fernsehen; Volker hatte ein technisch völlig ungeeignetes Fahrzeug, mit dem er irgendwann am Wegesrand stand, und Manfred besaß zwar ein cooles Gefährt, aber überhaupt kein Durchhaltevermögen. Er gab auf, ihm taten wohl die Eier weh. Vielleicht lag’s auch daran, dass seine Mutter ihn beim Zählerstand 6.3 zum Essen rief.
4
Bei einbrechender Dämmerung stand Nils’ Klapprad immer noch an den Baum gelehnt. Volkers Go-Kart hing mit einem Vollgummireifen schief auf einem Stein und Mannis Bonanzarad mit dem langen Bananensattel, stand orange leuchtend in der Abendsonne neben dem Spielplatzzaun. Der Fuchsschwanz (Anm.: nicht die Säge) wehte im lauen Sommerwind. Einige Jahre später baumelte das Ding an der Antenne seines tiefer gelegten und getunten Opel Manta.
5
Albano war letzten Endes allein, doch er fuhr weiter.
Dann, endlich, nach weiteren harten Stunden: Zählerstand 10.0!!! Er stoppte und stieg ab, seine Beine zitterten. Erschöpft sank er auf der angrenzenden Wiese nieder .
Er war neun Jahre alt, sein neues Fahrrad hatte eine 10-Gangschaltung und ein Tachometer. Er war der Gewinner der Sandkastenralley unter erschwerten Bedingungen:
10 KM um den 5 x 9m großen Sandkasten des Spielplatzes -wer aufgibt ist doof für immer und ewig.
Was ist dagegen schon Montreal oder gar Paris-Darkar?
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albanoundrominapower3 - 28. Jul, 12:41