Arbeitstitel: U-Ulf

[...]

Kapitel x
„Ich-ich-ich hab im hi-hier im Dorf scho-schon jede Menge Fa-fahra-radrennen ge-gewonnen!“
Und, als wenn Albano es ihm nicht geglaubt hätte, fügte er noch hinzu „…ist echt wa-wahr, kannst Du mir gl-glauben!“, dann schwang er sich auf sein rosa Klapprad und trat heftig in die Pedalen. Albano dachte kurz an die Sandkastenralley vor ein paar Jahren, entschied sich aber, nicht allzu dick aufzutragen. Nachher hätte er sich noch an einer Ralley im Dorf beteiligen müssen, das wollte er vermeiden und betrieb lieber etwas Understatement. Er wollte zwar dem kleineren Jungen nicht seinen Stolz und seine Würde nehmen, und sowieso rechnete er sich auf Peters Klapprad auch nicht die allergrößten Chancen aus.
Doch wie es aussah hatte das Rennen schon begonnen. Albano stieg auf, das schwarze Klapprad bäumte sich kurz auf, und schoss dann wie ein geölter Blitz die Anhöhe hinunter dem wild trampelnden Jungen hinterher. irgendwie immer eine Mischung zwischen Pferd und Harley - je nachdem, ob man Cowboy bzw. Indianer oder Rocker war.
Er überholte ihn trotz dessen adäquaten Vorsprungs vor dem nächsten Bauernhaus. Der überraschte Junge bekam die Kurve nicht richtig, schlitterte auf einem Kuhfladen nach links und fuhr spritzend durch die große Pfütze, die sich vom angrenzenden Kuhstall am Rande des Misthaufens sammelte und vorwiegend aus Kuhpisse und anderen tierischen Exkrementen bestand. Zu allem Überfluss liefen seine Gummistiefel auch noch voll mit der Gülle. So voll gesifft von oben bis unten, begann er zu weinen. Das gab daheim Ärger. Aber viel größer war die erlittene Schmach, und daraus wurde erst recht Wut, als die Erwachsenen auf der Straße anfingen zu lachen.

Albano bekam das nicht mehr mit, er war schon weit entfernt. So weit, wie man sich auf einem kleinen Dorf im Sauerland entfernen kann. Er hatte keine Lust auf ein Dorftrottelfahrradrennen in einem 200-Seelendorf im Sauerland.
Und er war einfach genervt, weil der Kleine ihm andauernd von irgendwelchen dollen Erle-le-lebnissen aus dem Do-dorf berichtete. Eine sehr begrenzte und völlig andere, zurecht gestotterte Welt. Albano spürte zwar, dass das nicht gerecht war, war sich dessen aber nicht bewusst. Er war auch erst zwölf Jahre alt.

Die ganze Dorfjugend war nun hinter ihm her. Überall hörte man aufgeregte, helle Kinderstimmen. „Ich-ich-ich ha-hab ihn da vorne ge-gesehen!“ „Nein, man, er ist d a vorne gewesen!“ „Los, den kriegen wir schon! Dann kann er was erleben!“ „Jaha, dann stecken wir ihn zu-zu den Kü-hüen in den St-st-stall! Der Do-Doofmann!“

Kapitel x
Hinter einem Heuballen hinter dem Ortsausgangschild versteckt, fand ihn schließlich Andrea, die ältere der beiden Töchter von Renate und Peter, ein Spiderman-Heft lesend.
Ein sicheres Versteck, wie sich heraus stellte. Die Dorfkinder überschreiten niemals diese Grenze, wie Andrea zu berichten wusste. Andrea und ihre jüngere Schwester Sabine hielten zu ihm. Schließlich galten sie selbst noch als Fremde im Dorf, obwohl sie schon seit mehreren Jahren dort wohnten. Sie waren zusammen in Hattingen-Holthausen aufgewachsen. Sie hatten im Erdgeschoß, Albano in der zweiten Etage des Vierstöckigen Gebäudes gewohnt.
„Was machst Du denn hier?“ „Ich hab mich versteckt! Der Kleine geht mir auf die Nerven!“ „U-Ulf? Kann ich verstehen, die suchen dich überall!“ lachte sie, und erzählte, was so -huhu- Aufregendes passiert war.
„Komm, die sind längst zum Abendbrot nach Hause, und ich soll dich auch holen, meine Mutter sagt, es gibt gleich Essen!“
Als die Luft rein war, radelten sie nach Hause und stellten die Fahrräder vorsichtshalber in den Schuppen. Zum Essen gab es duftendes, frisch gebackenes Brot und Wurst und Käse, dazu grad gemolkene, noch warme fette Milch.
So sahen die Kinder im Dorf auch überwiegend aus. Albano fuhr ebenfalls recht wohlgenährt nach zwei Wochen nach Haus.

Doch bis dahin geschah noch einiges.

[...]


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martha (Gast) - 8. Aug, 23:13

Omg! Das mit der Kuhpisse und der Gülle auf dem armen Kleinen,bricht einem ja echt das Herz...

albanoundrominapower3 - 12. Aug, 13:36

So soll das auch sein, Herz brechend, Gülle triefend...aus diesem Stoff sind Träume gemacht -und schon verdammt gute Romane geschrieben worden...

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albanoundrominapower3 - 12. Aug, 13:36
Omg! Das mit der Kuhpisse...
Omg! Das mit der Kuhpisse und der Gülle auf dem armen...
martha (Gast) - 8. Aug, 23:13
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